Sehr
geehrte Jury,
in SPRINT geht es um den menschlichen Körper und um die Beziehung,
die wir zu ihm haben. Welche Beziehung haben Sie zu Ihrem Körper?
Ist er ein Organismus, der Ihren Verstand am Leben hält und Ihrer
Seele ein Dach über dem Kopf gibt? Eine gut funktionierende Symbiose
zwischen Masse und Geist? Sind Sie verantwortlich für Ihren Körper
oder er für Sie? Wer liest gerade diese Zeilen und vollbringt das
kleine Wunder, aus dieser Kette von abstrakten Symbolen einen Inhalt
zu gewinnen?
Sie verstehen jedes Wort, sind geübt darin, und es kostet Sie eigentlich
keine Anstrengung, diesen Gedanken zu folgen. Aber sie sind damit nicht
allein praktisch die gesamte Gesellschaft in der Sie leben, hat
diese Fähigkeit. Wir sind geistig hoch entwickelt, denken abstrakt,
systematisch, problemorientiert. Unsere gemeinsamen geistigen Fähigkeiten
sind so groß, dass wir uns ein Umfeld geschaffen haben, das uns
sogar erlaubt, den Austausch von Information mit Arbeit gleichzusetzen,
körperliche Belastung durch intellektuelle Dienstleistung zu ersetzen.
Im
Neubau der Fachhochschule Vorarlberg in Dornbirn wird diese Entwicklung
in ihrer Hochblüte zu sehen sein. Das Gebäude wird von technischer
Infrastruktur strotzen: Hunderte Computerplätze, Maschinen und
modernste Laborausstattung zur Ausbildung einer spezialisierten Bildungselite.
Die Ausrichtung und Wegbereitung zu einer von Technologie geprägten
Arbeitswelt wird die neue Fachhochschule mit ihren imposanten Volumina
eindeutig verkörpern.Der Mensch aber ist klein und stinkt. Er beginnt
leicht zu schwitzen, sobald er seinen Körper zu anstrengender Arbeit
einsetzt. Sein Atem geht schnell, sein Herz pulsiert, Blut strömt
durch den ganzen Körper, Muskeln strecken und ziehen sich wieder
zusammen. Das Tier Mensch lebt und funktioniert. Es ist ein gutes Ding,
dieser Körper und daran möchten wir erinnern. Besonders
in einer Zeit und Gesellschaft, die, fast wie zu barocken Zeiten, die
körperliche Arbeit scheut, vermeidet und gering schätzt.
In Wirklichkeit endet unsere Sprint-Bahn
jäh an einer der Innenwände der Fachhochschule. Also bedienen
wir uns eines Tricks, um die optische Illusion zu erzeugen: In die Wand
ist ein Leuchtkasten mit den Dimensionen von 3x3 Metern versenkt, in
den eine bedruckte Folie mit derselben Größe eingespannt
ist. Die Folie trägt das Bild der gegen den Horizont zulaufenden
Sprint-Bahn. Durch eine rückseitige Beleuchtung des lichtdurchlässigen
Bildes wird die Illusion eines Lochs im Gemäuer, eines Weges in
die Außenwelt erzeugt. Das ist das Kunst und Bau Projekt SPRINT.
Neben unserem primären Ziel, in der relativ sterilen Arbeitsumgebung
der Fachhochschule, den menschlichen Körper und dessen Einsatz
in Erinnerung zu rufen, kommuniziert die Sprint-Bahn auch noch die folgenden
Assoziationen:
Konkurrenz + Wettkampf: Vorbereitung der
Studenten auf eine Arbeitswelt, die es erfordert, sich an seinen Mitmenschen
zu messen, und Höchstleistungen zu erbringen.
Geschwindigkeit + Fortschritt: Zwei Begriffe,
die zu diesem Haus gehören wie die Milch in den Kühlschrank.
Zielgerichtetheit, Engstirnigkeit + Fortschritt:
Suchen Sie es sich aus ; )
Wirklichkeit + Illusion / Realität
+ Virtualität: Ist das nur Licht am Ende des Tunnels oder
wartet irgendwo hinter den ganzen Monitoren auch eine Wirklichkeit auf
uns.