SPRINT - Eine Hommage an den menschlichen Körper.
Kunst am Bau-Wettbewerb FH Dornbirn 03

"Also planen wir eine Sprint-Strecke. Aus original Tartan-Belag,
4 Laufbahnen, 30 Meter lang, 3 Meter breit, quer durch das Gebäude, durch die massiven Grundmauern hindurch und weiter, viel weiter, auf dem Rücken der Landschaft bis zum Horizont!!!"

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Sehr geehrte Jury,

in SPRINT geht es um den menschlichen Körper und um die Beziehung, die wir zu ihm haben. Welche Beziehung haben Sie zu Ihrem Körper? Ist er ein Organismus, der Ihren Verstand am Leben hält und Ihrer Seele ein Dach über dem Kopf gibt? Eine gut funktionierende Symbiose zwischen Masse und Geist? Sind Sie verantwortlich für Ihren Körper oder er für Sie? Wer liest gerade diese Zeilen und vollbringt das kleine Wunder, aus dieser Kette von abstrakten Symbolen einen Inhalt zu gewinnen?
Sie verstehen jedes Wort, sind geübt darin, und es kostet Sie eigentlich keine Anstrengung, diesen Gedanken zu folgen. Aber sie sind damit nicht allein – praktisch die gesamte Gesellschaft in der Sie leben, hat diese Fähigkeit. Wir sind geistig hoch entwickelt, denken abstrakt, systematisch, problemorientiert. Unsere gemeinsamen geistigen Fähigkeiten sind so groß, dass wir uns ein Umfeld geschaffen haben, das uns sogar erlaubt, den Austausch von Information mit Arbeit gleichzusetzen, körperliche Belastung durch intellektuelle Dienstleistung zu ersetzen.

Im Neubau der Fachhochschule Vorarlberg in Dornbirn wird diese Entwicklung in ihrer Hochblüte zu sehen sein. Das Gebäude wird von technischer Infrastruktur strotzen: Hunderte Computerplätze, Maschinen und modernste Laborausstattung zur Ausbildung einer spezialisierten Bildungselite. Die Ausrichtung und Wegbereitung zu einer von Technologie geprägten Arbeitswelt wird die neue Fachhochschule mit ihren imposanten Volumina eindeutig verkörpern.Der Mensch aber ist klein und stinkt. Er beginnt leicht zu schwitzen, sobald er seinen Körper zu anstrengender Arbeit einsetzt. Sein Atem geht schnell, sein Herz pulsiert, Blut strömt durch den ganzen Körper, Muskeln strecken und ziehen sich wieder zusammen. Das Tier Mensch lebt und funktioniert. Es ist ein gutes Ding, dieser Körper – und daran möchten wir erinnern. Besonders in einer Zeit und Gesellschaft, die, fast wie zu barocken Zeiten, die körperliche Arbeit scheut, vermeidet und gering schätzt.

In Wirklichkeit endet unsere Sprint-Bahn jäh an einer der Innenwände der Fachhochschule. Also bedienen wir uns eines Tricks, um die optische Illusion zu erzeugen: In die Wand ist ein Leuchtkasten mit den Dimensionen von 3x3 Metern versenkt, in den eine bedruckte Folie mit derselben Größe eingespannt ist. Die Folie trägt das Bild der gegen den Horizont zulaufenden Sprint-Bahn. Durch eine rückseitige Beleuchtung des lichtdurchlässigen Bildes wird die Illusion eines Lochs im Gemäuer, eines Weges in die Außenwelt erzeugt. Das ist das Kunst und Bau Projekt SPRINT.

Neben unserem primären Ziel, in der relativ sterilen Arbeitsumgebung der Fachhochschule, den menschlichen Körper und dessen Einsatz in Erinnerung zu rufen, kommuniziert die Sprint-Bahn auch noch die folgenden Assoziationen:

Konkurrenz + Wettkampf: Vorbereitung der Studenten auf eine Arbeitswelt, die es erfordert, sich an seinen Mitmenschen zu messen, und Höchstleistungen zu erbringen.

Geschwindigkeit + Fortschritt: Zwei Begriffe, die zu diesem Haus gehören wie die Milch in den Kühlschrank.

Zielgerichtetheit, Engstirnigkeit + Fortschritt: Suchen Sie es sich aus ; )

Wirklichkeit + Illusion / Realität + Virtualität: Ist das nur Licht am Ende des Tunnels oder wartet irgendwo hinter den ganzen Monitoren auch eine Wirklichkeit auf uns.